Zeitungen und ihre Kaffeehäuser

In der langen Geschichte der Wiener Kaffeehäuser spielen Zeitungen eine wichtige Rolle. Zeitungen und Zeitschriften werden aufgelegt und so ist das Kaffeehaus nicht nur ein Ort kostenlos Informationen zu erhalten, auch lockt es Menschen an, sich in gemütlichem Ambiente zu treffen und auszutauschen.

Das erste Kaffeehaus, das diese Gewohnheit etablierte, war Kramers Kaffeehaus. Es handelte sich dabei um ein Haus in der Schlossergasse, das 1720 von dem Kaffeesieder Jacob Kramer erworben wurde. Es war ein beengendes Lokal, dass durch die engen Gassen, wo kaum Sonnenlicht durchdrang,  sehr düster wirkte. Auch hatte es an Inventar nicht viel zu bieten, ein paar Tische, wenige Bänke und Stühle. Dass es so berühmt werden würde, war damals kaum vorstellbar. Als Andreas Furthmoser das Kaffeehaus übernahm hatte es schon etwas an Anziehungskraft besessen. Doch erst Johann Michael Hertl sorgte für Aufschwung im Kaffeehaus, besonders unter Literaten. Mit seiner Idee, Zeitungen im Kaffeehaus aufzulegen, entwickelte sich eine neue Wiener Tradition, die bis heute Bestand hat. Damit wurde der Grundstein für das Café als Treffpunkt von Künstlern, Interessierten und Literaten gelegt. In diesen beinahe 300 Jahren hat die Tradition viele prägende Momente und Eindrücke auf die Wiener gemacht, dass sich daraus allmählich eine eigene Literatur – die berühmte Wiener Kaffeehausliteratur – geformt hat.

Nach wie vor werden Kaffeehäuser nach diesem Vorbild geführt und selten aber doch als „Kramersche Kaffeehäuser“ bezeichnet. Wer sich in einem Kaffeehaus wundert, warum keine Musik spielt und er auch keine Karten- oder Schachspieler antrifft, kann sicher sein, dass er eine Zeitung zum Lesen findet, freien Internetzugang hat und in Ruhe seine Schreibarbeiten durchführen kann. Wer sich dann schließlich zum Lesen einer Wiener Zeitung entscheidet, macht sich damit auf eine kleine Zeitreise. Sie war nämlich vor 300 Jahren auch schon dabei. Als älteste noch bestehende Zeitung der Welt darf sie in einem echten „Kramerschen Kaffeehaus“ natürlich nicht fehlen.

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